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Datum: 02.04.2020

„Wir hoffen auf Nachahmer“

Soziales Engagement / Karl-Hack-Stiftung

Autor: Charlotte Holzhäuser / FOOD SERVICE

„Es gibt zwar ein Ausgehverbot, aber kein Denkverbot“, sagt Peter Hack, CEO der Hack AG. „In dieser Situation sind Unternehmer und Manager gefragt, ihren Beitrag für die Gesellschaft zu leisten.“ Bereits vor zwei Wochen hat der  Vorstandsvorsitzende des Backwaren-Unternehmens aus Kurtscheid im Westerwald damit begonnen ein Notfalllager aufzubauen. Versorgt werden sollen darüber zwölf Gemeinden der Region.

Was steckt hinter Ihrer Idee eines Notfalllagers?

Für unseren ländlichen Landkreis gibt es keinerlei Plan für eine Notversorgung. Die aktuelle Situation ist in der jüngsten Geschichte beispiellos. In erster Linie haben wir die nicht-mobilen Menschen im Sinn, denen gerade auf dem Land gibt es viele Ältere, die nicht in Altersheimen untergebracht sind und von einer Versorgung von außen abhängig sind. Aber auch Sozialstationen und Altenpflegeeinrichtungen sollen in der Not versorgt werden.
 

Wo kommt der Warenbestand her, den Sie nun aufbauen?

Direkt nach Absage der Internorga in Hamburg kam uns die Idee, unsere Genussgarten-Kollegen (eine gemeinschaftliche Ausstellungsfläche verschiedener Partner, Anmerkung der Redaktion) zu bitten , ob sie Produkte haben, die sich nahe am Mindesthaltbarkeitsdatum bewegen, und die sie gerne spenden würden. Das Feedback war überwältigend, die Entscheider haben sofort reagiert. Neben Remagen, Milram/DMK, Mars, Bindwald-Mühlen oder auch Hilcona und Barilla. Zum Teil auch Ware, die die Unternehmen problemlos im Einzelhandel hätten verkaufen können.
 

Das Lager also rein über Warenspenden aufgestockt?

Keineswegs. Über die Karl-Hack-Stiftung kaufen wir auch Warenbestände hinzu. So können wir zum einen andere Unternehmen und Kunden unterstützen und zum anderen die Artikelauswahl an der Nachfrage ausrichten. Toilettenpapier und Hygieneartikel haben wir beispielsweise gezielt zugekauft. Darüber hinaus haben wir der Lufthansa, die alle Aufträge an uns stornieren musste, große Mengen an Mineralwasser abgekauft, das die Fluglinie aktuell nicht mehr verbrauchen kann. In einer ähnlichen Situation befindet sich natürlich auch unser Partner die Deutsche Bahn, mit der wir ebenfalls über den Abnahme von Warenbestand sprechen.

 „Wir haben der Lufthansa große Mengen an Mineralwasser abgekauft, das die Fluglinie aktuell nicht mehr verbrauchen kann.“

- Peter Hack

Geht es rein um Lebensmittel und Hygieneprodukte?

Nicht nur. Wir haben auch mit zwei Unternehmen in der Region, die nun auf die Produktion von Schutzmasken umsteigen. Auch diese Ware werden wir in den nächsten Tagen in die Notfallversorgung einbauen.
 

Wird denn diese Ware überhaupt abgerufen oder lagert sie nun erstmal für eine eventuelle Zuspitzung der Situation?

Ein großflächiger Notstand ist Gott sei Dank noch nicht eingetreten. Altersheime, die wir im Ernstfall versorgen wollen, waren bislang noch gut aufgestellt. Die erste Lieferung an eine Pflegestation geht nächste Woche raus. Anders sieht es schon jetzt bei den Tafeln aus. Sie leiden jetzt aktuell darunter, dass es im LEH kaum noch Überhänge gibt. Am kommenden Montag versorgen wir zusätzlich die Tafeln in Neuwied.  In die Notfall-Kette sind auch zwei regionale REWE-Unternehmer eingebunden. Die konnten wir gestern spontan mit 800 kg Mehr versorgen.
 

Wer profitiert noch von Ihren Waren?

In der letzten Woche haben unsere Lagermitarbeiter eine Vielzahl von „Ich sage DANKE“-Pakete gepackt. Meist befreundete, regionale Unternehmer überreichen diese ihren Mitarbeitern zur Motivation und als Kraftspender oder lassen die Pakete durch uns per Post versenden. Die Paket-Inhalte stellen wir in Abstimmung der Firmen individuell zusammen. Die DRK Leitstelle in Montabaur hat eine Palette Cookies von uns bekommen.
 

Wie funktioniert die Logistik?

Die Verteilung stemmen wir von unserem Zentrallager aus selbst. Unsere Mitarbeiter sind hochmotiviert und froh, dass sie in der Krise etwas Sinnstiftendes tun können. Manches wird abgeholt, manches liefern wir. Überregionale Aufgaben lösen wir über unsere Online-Plattform www.dergugl.de

„Ich würde mir sehr wünschen, dass die Hilfsbereitschaft im Lande deutlich steigt. Das ist doch DIE Stunde des Unternehmertums!“

- Peter Hack

Was wünschen Sie sich von den deutschen Unternehmern?

Gerade jetzt geht es um die Geschwindigkeit von Entscheidungen. Ich würde mir sehr wünschen, dass es viele Nachahmer gibt und damit die Hilfsbereitschaft im Lande deutlich steigt. Das ist doch DIE Stunde des Unternehmertums! Die Uhren ticken jetzt spürbar langsamer. Das gibt uns doch neuen Freiraum, um über Neues nachzudenken oder um einfach zu helfen. Die Gesundheit ist das wichtigste Gut, aber das heißt nicht, dass wir jetzt im Stillstand verharren müssen. Das Thema Lebensmittel-Verschwendung ist vielleicht in diesem Tagen nicht so im Fokus, aber ich finde es wichtig darüber nachzudenken, wie man die Warenströme intelligent umlenken kann, bevor die Tonne aufgeht!

 

Hinter Ihrem Engagement steht nicht die Hack AG, sondern die Karl-Hack-Stiftung. Wie kommt das?

Die Karl-Hack-Stiftung GmbH haben wir vor 20 Jahren mit dem Zweck gegründet, in der Region für die Region zu helfen. Und jetzt ist die Zeit gekommen, wo wir zeigen können, wie handlungsfähig wir auch hier sind. Für Thomas, meinen Cousin, und mich ist Transparenz enorm wichtig. Wir trennen Ehrenamt und Stiftungsarbeit deutlich vom eigenen Business.

 

Wie geht es Ihrem Unternehmen in der Krise?

Auch bei uns sind 70 Prozent der Umsätze durch Corona weggebrochen. Schon vor 6 Wochen haben wir einen eigenen Covid 19 -Krisenstab eingeführt und bewerten hier die Lage täglich neu. Wir haben für unsere 250 Mitarbeiter bereits Kurzarbeit beantragt, den finalen Knopf haben wir allerdings noch nicht gedrückt.  Im ersten Schritt sind über Ostern erst mal Werksferien geplant. Eine solche Auszeit halte ich jetzt für sinnvoller. Dadurch bleiben den Mitarbeitern Gehaltseinbußen vorerst erspart.

Alles aus einer Hand: die Firmengruppe der HACK AG